Rudi Tuscher wäre dieses Jahr hundert Jahre alt geworden

Am 8.September wird wieder europaweit der „Tag des offenen Denkmal“ gefeiert, diesmal mit dem Motto „Modern(e): Umbrüche in Kunst und Architektur“. Im Herbsteiner Statt Museum wird das Thema  auf das Leben des  Architekten, Malers  und Modellbauers Rudi Tuscher bezogen , der in Magdeburg geboren, sein ganzen Leben mit den Umbrüchen des letzten Jahrhunderts  zu kämpfen hatte: und schließlich  mit 61 Jahren in Lauterbach seine letzte Bleibe fand, die immerhin über 30 Jahre andauerte.

Zum hundertsten Geburtstag  von Rudolf Tuscher  (*5.Juli 1919) haben David Weiß und J.Michael Ruhl  eine  umfangreiche Ausstellung zusammengetragen, die im Dachgeschoss  des  Statt Museums Herbstein am 08.09.2019 um 14.00 Uhr eröffnet wird. Rudis ewiger Wunsch nach einem „Rudi-Tuscher-Museum“ ist in Lauterbach nur zeitweise   in Erfüllung gegangen. Im Gegenteil, die meisten seiner Dinge  lagerten  zum Abtransport auf dem Dachboden seiner letzten Wohnstätte in der Waldstraße, bevor sie nun von den Ausstellungsmachern  gerettet wurden. In den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts  hatte Tuscher eine  großzügige Wohn- und Ausstellungsstätte  im alten Krankenhaus in der Rockelsgasse, dem damaligen Rotlichtbezirk von Lauterbach. Hier  lebte, kochte und schlief er in seinem Atelier, hatte viele BesucherInnen  und die meisten Räume waren mit seinen Bildern bestückt. Sein täglicher Spaziergang mit seinem Kater „Schmuser“ zum Strumpfbrunnen oder ins Cafe Stöhr waren legendär, die beiden gehörten lange Jahre zum Stadtbild von Lauterbach.

 Rudi Tuscher- unmittelbar nach dem 1.Weltkrieg geboren- wuchs in einer bürgerlichen Familie in Tangermünde auf: sein Vater war ein sogenannter „Stromfischer“-er  besaß als erster Elbfischer einen „Rheinschocker“-ein besonderes Schiff zum Aalfangen in der Elbe. Der kleine Rudi begann schon im Alter von 4 Jahren an  zu malen, zu schnitzen und zu zeichnen. Viele Künstler waren in den 20er Jahren  nach Tangermünde gekommen, um die malerische Kleinstadt abzubilden. Das Haus der Tuschers stand für diese Boheme  immer offen und so wuchs  Rudi Tuscher in  ein weltoffenes und künstlerisches Umfeld hinein. Mit 18 fing er an Architektur, Innenarchitektur und Modellbau zu studieren, und zwar in Magdeburg, Leipzig und Berlin, wo sicher das“ Bauhaus“ schon eine Rolle spielte. Mitten im Studium wurde  er mit 20 Jahren  Soldat (10.1.1939) und war danach  ausschließlich in Frankreich stationiert

Rudi Tuscher  kehrte  1946 aus einjähriger  amerikanischer Kriegsgefangenschaft heim. Diese  Zeit hat ihn bis ins hohe Alter geprägt, denn er sammelte mit Leidenschaft Geschichtliches über den Krieg, bemalte Zinn Soldaten und  barg stapelweise Informationen über die Luftwaffe, doch hat er sehr wenig  in dieser Zeit gemalt.

Weit vor dem Mauerbau ließ er sich in Westberlin nieder und verdiente sein Geld mit Ladenausbauten und  Modellbauten u.a. auch für das britische Militär. Später fand er Anstellungen in großen Industriebetrieben in Köln, Bonn, Hannover und in Frankfurt-Höchst.  Als das mit den Modellbauten nicht mehr so lief, wurde er Flohmarktveranstalter im Rhein-Maingebiet. Auf der Suche nach einem Lager für seine gesammelten Dinge fand er schließlich im Jahre  1980 eine neue Bleibe in der alten Schule in Eichelhain. Schon ein Jahr später zog er nach Lauterbach,  wo er sich als freier Künstler niederließ und auch recht erfolgreich wurde.  Während er  eine Zeit lang im Hohhaus-Museum beschäftigt war, schuf er Nacht für Nacht eine Unzahl von Bildern  und Objekten. Seine künstlerische Betätigung  teilt sich vor allem in drei Sparten: Stadt und Landschaftsansichten –vor allem von Lauterbach( seine Ankerturmpostkarte  wurde 20 000mal verkauft) , Abstrakte Malerei- von ihm physioanalytisches Arbeiten genannt, die er mit Material aus seinem Modellbau-Oeuvre kombinierte, und schließlich  ganz plastische Arbeiten wie  Drahtbäume, Dioramas und das Bemalen von Zinnsoldaten, von denen einige in den Vitrinen zu sehen sind. Schwerpunkt der Ausstellung ist vor allem sein malerisches Werk- vor allem seine abstrakte Phase, denn die meisten seiner Motivbilder befinden sich weitverstreut in privater Hand.

Eröffnung 08.09 2019 14.00 Uhr zum Tag des offenen Denkmals

Die Ausstellung im Statt Museum Herbstein, Obergasse 5   ist  immer sonntags zwischen 14.00 Uhr und 16.30 Uhr  zu besichtigen und wird bis Weihnachten zu sehen sein.

 

 

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